Aber bitte berechenbar kreativ!
Der Chef fordert mal wieder eine «Outside the box»-Lösung und Sie fragen sich: Ausserhalb welcher Box?

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Online-Redaktor Robin Adrien Schwarz geht darin Dingen auf den Grund, die er an der Arbeitswelt – oder auch der der Welt im Allgemeinen – etwas merkwürdig und bedenkenswert findet. Oder schön. Oder wundersam.
Und glauben Sie uns: Irgendwie hat alles mit der Arbeitswelt und HR zu tun. Ob Blumen, mittelalterliche Literatur, Bahnhofsmusiker oder Horrorfilme. Gut, die meisten von uns arbeiten jeden Tag. Kein Wunder also, hat alles mit der Arbeitswelt zu tun.
Stimme, Text und Musik: Robin Adrien Schwarz. Zusätzliche Musik von leberch und AurecTheme (Pixabay).
Willkommen zu meinem Unboxing-Video äh, -Auditorial, in dem wir jede Woche inspirierende Dinge bestellen und dann gemeinsam auspacken! Also, los! [Klebeband reisst, Kartonrascheln]
Oha, in der Box liegt ein Zettel mit einem Zitat aus dem ausgezeichneten Text «Dumm sein» von Künstler und Dichter Kenneth Goldsmith! Famos! Okay … Hier steht:
«‹Klug› ist begrenzt, ausgetreten, formelhaft, bekannt. Die Welt wird durch ‹Klug› angetrieben. Das funktioniert eindeutig nicht. Ich will in einer Welt leben, in der das Klügste, was man tun kann, das Dümmste ist.»
Überall droht einem Kluges! Kluge Konzepte, kluge LinkedIn-Posts, kluge Artikel und am Ende gar kluge LinkedIn-Posts zu klugen Artikeln über kluge Konzepte! Ein Elend. Als wäre das des Ungemachs nicht genug, lauert einem Kluges auch im Privaten auf: Auf der Dating-App «OkCupid» etwa können Sie auf Ihrem Profil Dating-relevante Fragen beantworten. Eine davon ist tatsächlich: «Bist du klüger als die meisten?» Ich habe noch nie jemanden Nein antworten sehen.
Wir glauben, das Kluge wirkt! Schliesslich ist Kluges gut. Aber insgeheim fragen Sie sich doch manchmal: Wenn X ja so klug ist, wie kann es sich bitteschön erdreisten, nicht ohne mein Zutun zu funktionieren? Und etwas Dummes hingegen, nein, das kommt uns bestimmt nicht in den Meeting-Raum, das wäre ja ziemlich dumm.
Moment, in der Box hat es eine zweite Box. [Kartonauspackgeräusche] Und … noch eine? Habe ich schon wieder somnambul bei matrjoschkaparadies.ch bestellt? [verzweifelte Auspackgeräusche]
Aha! Noch ein Zettel [konfuse Stille]. Sie glauben mir das vermutlich nicht, aber hier steht das ganze Editorial (auch diese Klammer)! Also, ja, hier steht eine Klammer, in der steht «Auch diese Klammer», aber das ist Gesprochen kompliziert zu vermitteln. Sie wissen, schon, was ich meine.
Also, geben Sie mir eine Sekunde. Hmm [den Text überfliegend], überall werde «Outside-the-Box-Thinking» gefordert. Aber für jene Person, die nicht selbst «outside the box» denken könne – und das darum delegiere –, müsse das Zusammengesponnene stante pede verständlich und erfolgversprechend sein. «Outside the box», aber «inside the Executive Summary», steht hier, und das sei ja nicht so klug.
Das Erdachte werde dann als Klug-Box neu ver- und ausgepackt sowie für Sie montiert. Hier steht, genau das sei das Problem: Die Klug-Box sei nicht neu, man habe schon tausendmal über alles in ihr nachgedacht.
Eine wirklich neue Lösung – die Lösung – wird anders aussehen, als Sie sich das ausmalen. Haben Sie Geduld mit der Idee – und sich selbst. Und um Himmels Willen, verpassen Sie die Idee nicht.
Denn sonst bleiben Sie, bleibe ich, ich armer Tor, genauso klug als wie zuvor.
Also! Aus welcher Box möchten Sie sich auspacken – und wohin?
Fussnote: Die originale und etwas ausführlichere Version des Zitats auf Englisch: «Dumb is not an inborn condition. You get to dumb after going through smart. Smart is stupid because it stops at smart. Smart is a phase. Dumb is post-smart. Smart is finite, well-trod, formulaic, known. The world runs on smart. It’s clearly not working. I want to live in a world where the smartest thing you can do is the dumbest.»