Neu bei HR Today: Cartoons!

Eine ernste Sache

Zense und HR Today machen gemeinsame Sache: Neu gibt es bei HR Today nämlich Cartoons über die grossen und kleinen Absurditäten der Arbeitswelt! Aber halt, warum? Was hat Humor in der Businesswelt verloren? Das Stichwort: Reframing. Zense erklärt, was es damit auf sich hat.

Die Kommunikation komplexer Inhalte stellt uns vor ein Dilemma: Vereinfachung verfälscht, Vollständigkeit überfordert. Glücklicherweise gibt es eine dritte Tür: Reframing. Indem wir Inhalte durch unterschiedliche Linsen betrachten, können wir uns ihrem Kern annähern und sie besser kommunizieren. Etwa mit Argumenten und Typologien, Geschichten, Metaphern oder Visualisierungen.

Ein Framing-Instrument ist dabei besonders mächtig: Humor. Aber wann hatten Sie zuletzt eine ernsthafte Diskussion dazu? Wurde das Thema «Humor» in Ihrer Ausbildung je ernsthaft behandelt? Nur ganz wenige Menschen antworten mit Ja – was uns immer wieder erstaunt.

Forschung über Humor gibt es durchaus. Doch meist fragt sie, was er bewirkt: Nähe, Vertrauen, Sympathie. Seltener fragt sie: Wie funktioniert Humor? Warum lachen wir?

Eine Schwarz-Weiß-Karikatur auf gelbem Hintergrund (oben links steht "HR Today"). Unter einem Schild mit der Aufschrift "ASSESSMENT CENTER" sitzen drei Kandidaten auf Stühlen: Ein Strichmännchen, ein nervös schwitzender Frosch und ein weiteres Strichmännchen. Ein Prüfer mit Klemmbrett steht vor ihnen und sagt über eine Sprechblase: "Gruppenübung: Sezieren Sie Ihren Nachbarn." Unten rechts befindet sich der Schriftzug "zense.ch".

Illustration: Christof Gähwiler
 

Eine abschliessende Antwort kennt weder die Biologie noch die Psychologie. Zu den einflussreichsten Erklärungsansätzen gehört die Inkongruenztheorie: Humor entsteht, wenn eine Erwartung aufgebaut und durch einen zweiten, überraschenden Deutungsrahmen gebrochen wird.

Zur Erklärung ein leicht plumper Witz (wir entschuldigen uns förmlich): 

Was gibt man einem Menschen, der alles hat? Antibiotika.

Der Anfang aktiviert einen materiellen Frame, die Pointe zwingt uns in einen medizinischen. Der Mensch hat nicht alles, was man besitzen kann, dafür aber offenbar alles Ansteckende. Im Zusammenhang mit Humor-Analyse wird übrigens häufig der amerikanische Autor E. B. White zitiert: Humor zu analysieren sei wie einen Frosch zu sezieren. Es bringt nicht viel, und der Frosch stirbt dabei. Da wir damit nicht ganz einverstanden sind, killen wir noch einen Frosch. Noch einmal: sorry.

Ich war lange im Körper einer Frau gefangen. Dann wurde ich geboren.

Auch hier lenkt der erste Satz uns in eine bestimmte Perspektive. Die Pointe ersetzt sie schlagartig durch eine andere. Für einen Moment stehen beide Bedeutungen gleichzeitig im Raum. Was können wir tun, um diese Ambivalenz auszuhalten? Wir lachen.

Humor bringt zwei Frames, zwei Sichtweisen, in einem einzigen Kommunikationsmoment zusammen. Eine Geschichte erzählt eine Veränderung. Ein Argument begründet eine These. Aber nur Humor lässt zwei Perspektiven aufeinanderprallen. Er zeigt uns einen neuen Blick. Und gleichzeitig, wie begrenzt der bisherige war. Genau deshalb ist Humor eines der mächtigsten Framinginstrumente überhaupt. Gerade in unserer polarisierten Welt, in der so viele unterschiedliche «Wahrheiten» aufeinanderprallen, kann Humor verhärtete Gegensätze lockern, Widersprüche sichtbar machen und uns helfen, mehrere Sichtweisen gleichzeitig auszuhalten.

Zwei hartnäckige Missverständnisse


Dabei begegnen uns zwei hartnäckige Missverständnisse.

Das erste: Entweder man ist lustig oder nicht. Entweder man wird lustig geboren. Oder man flutscht als trockener Zwieback aus dem Uterus.

Nein, Humor ist keine mystische Begabung. Seine Mechanismen lassen sich verstehen und trainieren. Etwa Misdirection: Eine Erwartung wird gezielt in die falsche Richtung gelenkt. Oder die Dreierregel: Zwei Elemente bauen ein Muster auf, das dritte bricht es.

Das zweite Missverständnis: Was ernst ist, darf nicht lustig sein.

Dabei sind manche Themen gerade deshalb so ernst, weil sich die Fronten verhärtet haben. Und diese verhärten sich auch, weil niemand mehr darüber lachen kann. Humor macht ein Thema nicht lächerlich. Er kann sichtbar machen, wo wir uns selbst, unsere Positionen oder unsere Organisationen zu wichtig nehmen.


Neu: Cartoons von Zense bei HR Today


Sie haben Lust auf mehr? Die kleinen und grossen Absurditäten der Arbeitswelt aus der Feder von Zense gibt es ab sofort bei HR Today: Im Magazin sowie alle zwei Wochen in unserem Newsletter.



Natürlich kann Humor auch verletzen, ausschliessen und Macht verstärken. Es geht also nicht darum, dass Führungskräfte mehr Witze erzählen. Sondern darum, Humor als Denk- und Kommunikationskompetenz zu verstehen. Wer Humor beherrscht, erkennt Erwartungen, wechselt Perspektiven und hält Widersprüche aus. Also: Nehmen wir Humor ernst. So sehr wir Frösche auch mögen.

Und gerade deshalb setzen wir uns auch bei unserer Firma Zense vertieft mit Humor auseinander. Dazu zählen ein jährlicher Masterkurs für Studierende der Universität St. Gallen (HSG) und Trainings für Organisationen und Führungskräfte (sehen Sie den riesigen, wunderbaren Zaunpfahl? Rufen Sie uns an!). Und gerne trainieren wir auch unsere eigenen Humormuskeln. In den kommenden Monaten veröffentlichen wir hier daher regelmässig Cartoons über die kleinen und grossen Absurditäten der Arbeitswelt. Und falls Sie uns dabei einmal nicht lustig finden, paraphrasieren wir gerne eine alte Komikerweisheit:

Wenn du mit deinem Cartoon nur eine einzige Person zum Lachen bringst, wenn du nur einer einzigen Person Freude bereitest und diese eine Person dank dir ein klein wenig glücklicher ist, dann weisst du: Dein Cartoon war scheisse.

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Porträt eines Mannes mit Glatze, Brille und Bart, der ein schwarzes Oberteil trägt und nach rechts aus dem Bild blickt. Der Hintergrund ist in einem strukturierten Grau gehalten.

Andri Hinnen ist Chief Storytelling Officer und Founding-Partner von Zense.

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Porträt einer Frau mit dezentem Lächeln und zurückgebundenem Haar, die einen schwarzen Rollkragenpullover trägt. Sie steht vor einer grauen Wand, an deren rechtem Rand einige dunkle Blätter ins Bild ragen.

Nadja Wegmüller ist CFO, CHRO und Partnerin bei Zense.

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Ein Mann mit kurzem braunem Haar und Schnurrbart blickt ernst und frontal in die Kamera. Er trägt ein weißes Hemd, eine dunkelblaue Weste und eine blaue, gestrickte Fliege. Im Hintergrund ist eine weiße Wand mit einer länglichen Wandlampe zu sehen.

Christof Gähwiler ist Chief Visualization Officer und Founding-Partner bei Zense.

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