HR Today Nr. 3/2021: Event – Trendstudie Flexible Workforce

«Trendstudie»: Flexible Workforce

Die Zusammensetzung der Belegschaft verändert sich. Immer häufiger greifen Unternehmen auf externes, flexibel einsetzbares Personal zurück. Das zeigen die Ergebnisse der Trendstudie der Fachhochschule Nordwestschweiz, die am 19. Januar 2021 virtuell präsentiert und im anschliessenden Panel mit Gästen aus der Arbeitswelt diskutiert wurden.

Wie flexibel ist die Belegschaft in Schweizer Unternehmen? Gemeint war für einmal nicht die zeitliche oder räumliche Flexibilität, sondern inwiefern Betriebe ihre Mitarbeitenden intern flexibel beschäftigen oder extern flexibles Personal beschaffen: das heisst Temporärmitarbeitende, Freelancer, über Onlineplattformen vermitteltes Personal wie Gigworker oder die Beschäftigung nahestehender Mitarbeitender wie Pensionierte.

Rund 120 Teilnehmende hatten sich am 19. Januar 2021 an der Videokonferenz zur dritten in Kooperation mit HR Today entstandenen Arbeitsmarktstudie «Flexible Workforce» der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) zugeschaltet. Tobias Mengis, Geschäftsführer der Alma Medien AG, begrüsste die Teilnehmenden und wies auf die bemerkenswertesten Erkenntnisse der Studie hin. Etwa, dass bereits 68 Prozent der Antwortgebenden Erfahrung mit Flexwork gesammelt haben und auch das HR immer häufiger flexibles externes Personal beschafft.

Christoph Vogel, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der FHNW und Projektleiter der Trendstudie, fasste im Anschluss die wichtigsten Ergebnisse der Studie zusammen, an der sich 330 Personen beteiligt hatten – 80 Prozent davon mit einem HR-Hintergrund. «Arbeitgebende setzen flexibles Personal vor allem ein, um Personalressourcen schnell auf- und abzubauen», erläuterte Vogel. «Beispielsweise, um Auftragsspitzen zu überbrücken, Kompetenzlücken zu schliessen, Know-how einzukaufen, einen Blick von aussen auf Transformationsprozesse zu werfen, Personal zu gewinnen und zu binden oder die Nachfolge im Unternehmen sicherzustellen.» Dennoch betreibe die Mehrheit der Firmen weiterhin im gleichen Masse Outsourcing, sagte Vogel. «Nur drei Prozent der Befragten verringerten die Auslagerung von Unternehmensprozessen.»

Nach einer knappen halben Stunde leitete Martina Zölch, Leiterin des Instituts für Personalmanagement und Organisation an der FHNW, zur Podiumsdiskussion über, an der sich Michaela Christian Gartmann, Territory Human Capital Leader von PwC Schweiz, Christian Scherff, Leiter Produkte und Services der Sammelstiftung Vita, Victor Calabrò, Gründer und Verwaltungsratspräsident von Coople Global Services AG, Marius Osterfeld, Ökonom bei Swissstaffing, und Fernando Carlen, Partner sowie Leiter Services bei der Avenir Group, beteiligten. ­«Flexibilität liegt in der DNA von PwC Schweiz», erläuterte Gartmann die Bedeutung einer flexiblen Workforce für das Beratungsunternehmen: «Wir sind darauf angewiesen, unsere Mitarbeitenden flexibel einzusetzen.» Bei der Avenir Group ist besonders die Nachfrage nach HR-Spezialisten gestiegen, um kurz- oder langfristige Fachkräftelücken zu überbrücken, sagt Carlen. «Dabei ist das Ad-interim-Management wichtiger geworden.» Hauptsächlich, um frischen Wind in die Betriebe zu bringen oder schwankende Arbeitsvolumen auszugleichen. Auch in der Personalvermittlungsbranche hat sich einiges verändert. «2009 hat die Temporärbranche 230 000 Arbeitnehmende beschäftigt, 2019 waren es bereits 380 000», sagt Osterfeld. «Es sind nicht nur die Jungen, die temporär arbeiten. Die Nach­frage hat auch bei den Älteren zugenommen.» Für Junge wie für Ältere sei Temporärarbeit oft ein Weg zurück in die Festanstellung. «Beispielsweise nach einer Entlassungswelle.» Dass Firmen immer schneller geeignetes Personal finden, will Victor Calabrò mit seiner Plattform noch stärker fördern und entwickelt seine Plattform deshalb stets weiter. «Die unternehmerische Frage ist: Wie baut man in kürzester Zeit neue Unternehmensstrukturen auf, findet dafür geeignetes Personal und berücksichtigt die Linie, ohne die damit verbundenen Formalitäten manuell abzuwickeln?»

Nach knapp zwei Stunden endete die Veranstaltung. Anstelle eines Apéros hatte die FHNW virtuelle Räume eingerichtet, in denen die Teilnehmenden weiter diskutieren konnten. Die noch Anwesenden machten davon regen Gebrauch.

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Chefredaktorin, HR Today. cp@hrtoday.ch

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