HR Today Nr. 3/2022: Fokus Forschung

Beförderungen: Die Freude vergeht nach einem Jahr

Beförderungen binden und motivieren Mitarbeitende nicht nachhaltig. Ihr positiver Effekt dauert maximal ein Jahr, zeigt eine repräsentative Studie aus Deutschland.

Beförderungen gelten als einer der wichtigsten Pfeiler gängiger Anreizsysteme. Der Trend zu flacheren Hierarchien lässt daher vielerorts die Sorge wachsen, wie Mitarbeitende bei Laune gehalten werden können, wenn diese Möglichkeit limitiert wird.

Dass Beförderungen die Arbeitszufriedenheit von Mitarbeitenden erhöhen können, lässt sich nicht wegdiskutieren. Zumindest nicht in der kurz­fristigen Betrachtung. Doch die Freude währt meist nicht lange, wie ein fünfköpfiges deutsches Forschungsteam rund um den Arbeitspsychologen Siegmar Otto kürzlich feststellte.

Die Forschenden analysierten 1538 Beförderungen von Personen, die innerhalb einer Organisation vom Mitarbeitenden- zum Managementlevel aufstiegen. Sie nutzten dafür die Daten des Deutschen Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) der letzten 27 Jahre. Für ihre Analysen betrachteten die Autorinnen und Autoren den Beförderungseffekt gesondert von den Effekten des Lohn- und Arbeitsstundenanstiegs, die mit der Beförderung einhergingen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kamen zum Schluss, dass Beförderungen die Arbeitszufriedenheit der Beförderten für maximal ein Jahr erhöhen. Dieser kurzfristige Effekt fiel für Männer stärker aus als für Frauen. Eine Beobachtung, welche die Forschenden unter anderem damit begründeten, dass Frauen, die in Führungspositionen aufsteigen, vermehrt Gegenwind erfahren als Männer.

Die mit der Beförderung einhergende Einkommenserhöhung schien die Arbeitszufriedenheit hingegen nicht substanziell positiv zu beeinflussen. Dafür seien die durchschnittlichen Lohn­erhöhungen von circa 360 Euro monatlich zu marginal. Auch verringerte sich die Arbeitszufriedenheit nicht aufgrund der Arbeitszeiterhöhung der Beförderten um durchschnittlich drei Stunden pro Woche.

Natürlich haben Beförderungssysteme weiterhin ihre Berechtigung, beispielsweise bei der Nachfolgeplanung. Sie sollten allerdings nicht für die Mitarbeitendenbindung verwendet werden. Hierfür haben sich andere Praktiken besser bewährt, beispielsweise Partizipation oder (fachliche) ­Entwicklung. Der Trend zu flacheren Hierarchien kann deshalb für Organisationen eine Chance sein, das Massnahmenpaket zur Mitarbeitendenbindung und -motivation nachhaltig zu erneuern.

Quelle: Otto, S., Dekker, V., Dekker, H., Richter, D., & Zabel, S. (2021). The joy of gratifications: Promotion as a short-term boost or long-term success – The same for women and men? Human Resource Management Journal. Advanced online publication.

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Manuela Morf

Dr. Manuela Morf, Oberassistentin am Center für Human Resource Management (CEHRM), Universität Luzern.

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