BGM-Special 2021

Fachkräfte in der Langzeitpflege erhalten

Dank betrieblichem Gesundheitsmanagement stieg die Zufriedenheit der Mitarbeitenden der Spitex Kriens. Ein Augenschein.

Viele Menschen möchten auch im hohen Alter möglichst lange zu Hause bleiben. Häufig ist das nur dank der Spitex möglich. Die Arbeit im Pflege- und Betreuungsbereich der Spitex ist entsprechend wichtig und sinnstiftend, gleichzeitig körperlich und psychisch anspruchsvoll. Mithilfe des BGM-Spezialmoduls «Langzeitpflege und Spitex» (siehe Box) von Gesundheitsförderung Schweiz kann die Spitex Kriens ihre Mitarbeitenden künftig noch besser unterstützen, um sie langfristig zu halten.

Ende 2018 befragte die Spitex Kriens deshalb ihre Mitarbeitenden mit diesem Spezialmodul und erzielte mit 92,8 Prozent nicht nur einen hohen Rücklauf, sondern auch erfreuliche Ergebnisse – insbesondere in Bezug auf die Mitarbeiterzufriedenheit. «Wir hatten zwar den Eindruck, dass sich unsere Mitarbeitenden im Grossen und Ganzen wohlfühlen bei uns. Das aber schwarz auf weiss bestätigt zu bekommen, ist nochmals etwas anderes», sagt Pia Küttel, Leiterin Qualität und Bildung und Mitglied der Geschäftsleitung der Spitex Kriens.

Einfache Massnahmen, nachhaltige Wirkung

Die Erkenntnis, dass die Mitarbeiterzufriedenheit gross ist, war jedoch erst der Anfang des BGM-Prozesses. «Ebenso wichtig waren die nächsten Schritte, in denen die Befragung analysiert wurde und darauf basierend Massnahmen festgelegt und umgesetzt wurden», betont Pia Küttel. Ein Hauptanliegen der Befragten war beispielsweise der Wunsch nach mehr Zusammenhalt. Diesem Bedürfnis nachgekommen ist die Leitung der Spitex Kriens vor der Pandemie mit regelmässigen Betriebsanlässen wie beispielsweise dem gemeinsamen Risotto-Essen oder Grillieren. Ausserdem erweiterten sie die informellen Kommunikationsgefässe. Ebenfalls angepasst wurde die Arbeitsorganisation, beispielsweise mittels elektronischer Einsatz- und vorausschauender Personalplanung. Tablets ermöglichen den Mitarbeitenden seither Einsicht in die Pflegeplanung und einen einfachen Zugang zu relevanten Informationen. «Weitere Konsequenzen der Befragung sind regelmässige Fallbesprechungen, eine möglichst hohe Lohntransparenz, der Einbezug der Pflegeteam-Leitung in Entscheidungsprozesse sowie Angebote zur Vorbeugung somatischer Beschwerden, beispielsweise Kinästhetik-Beratungen», führt Küttel aus.

Das Umfrageresultat und die Massnahmen sind sowohl in der Führungsetage wie unter Berücksichtigung der Teamleiter-Erfahrungen besprochen worden, die Lösungsansätze anschliessend in den jeweiligen Teams nochmals diskutiert und wo nötig angepasst worden. Für Küttel ist der Miteinbezug aller Mitarbeitenden die richtige Vorgehensweise, um nachhaltige Verbesserungen im Betrieb zu erreichen: «So läuft die Betriebsführung nicht Gefahr, trotz gut gemeinter Ideen die tatsächlichen Bedürfnisse ihrer Mitarbeitenden aus den Augen zu verlieren.»

Offene Ohren und Kontinuität

Der partizipative Ansatz des Spezialmoduls habe sicher auch dazu beigetragen, dass die getroffenen Massnahmen am Ende Wirkung zeigten, sagt Pia Küttel. Als Beispiel nennt sie die neu eingeführten Rückkehrgespräche nach längeren oder regelmässigen Absenzen. «Bei diesen Gesprächen geht es nicht um betriebliche Kontrolle, sondern darum, zu erfahren, wie es unseren Mitarbeitenden geht und was sie allenfalls belastet.» Dieses Wissen mache es möglich, Hilfestellung zu leisten, wo immer nötig.

Um neu auftretende Probleme möglichst früh zu erkennen, sucht die Leitung der Spitex Kriens mittlerweile noch stärker den Austausch mit den Mitarbeitenden. Dafür geht sie aktiv auf diese zu, stellt Fragen und hört zu. Nach Bedarf nimmt ein Mitglied der Geschäftsleitung an den Teamsitzungen teil. Umgekehrt können sich die Mitarbeitenden jederzeit und unkompliziert mit ihren Anliegen an die Teamleitenden oder an die Geschäftsleitung wenden. Damit auf Führungsebene genügend Ressourcen vorhanden sind, wurde das Team letzten Herbst um eine Stelle aufgestockt.

Pia Küttel ist sich bewusst, dass kontinuierliche Arbeit nötig ist, um die Zufriedenheit der Mitarbeitenden und die vorhandenen Ressourcen auf hohem Niveau zu halten. Gerade jetzt in der Corona-Pandemie gestalte sich die Umsetzung der Massnahmen schwieriger. «Deshalb gilt es, immer wieder nach neuen Möglichkeiten zu suchen, um die Mitarbeitenden in dieser anspruchsvollen Situation noch besser zu unterstützen.»

Spitex Kriens

Die Spitex Kriens beschäftigt rund 100 Mitarbeitende, sieben Lernende und vier Studierende. Die Pflege- und Betreuungsteams leisten etwa 280 Besuche pro Tag und betreuen monatlich rund 590 Kundinnen und Kunden. Ziel ist die Förderung eines autonomen Lebens zu Hause, solange es möglich ist und von den Betroffenen gewünscht wird.

Spezialmodul «Langzeitpflege und Spitex»

In Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) und dem Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien BASS hat Gesundheits­förderung Schweiz ein branchenspezifisches ­Befragungsinstrument entwickelt, das auf dem bestehenden Online-Befragungstool FWS Job-Stress-Analysis basiert. Das Spezialmodul berücksichtigt spezifische Herausforderungen im Pflegebereich wie personelle ­R­essourcen, Dienstplanung, Qualität der Pflege und Betreuung, Rationierung der Pflege, Umgang mit Aggressionsereignissen sowie Weiterbildung und Entwicklung.

 

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Online-Redaktorin, HR Today. es@hrtoday.ch

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