HR Today Nr. 10/2019: Fokus Forschung

Lohntransparenz reduziert Lohndiskriminierung

Lohntransparenz wird oft als Wundermittel gegen Lohndiskriminierung propagiert. Ein internationales Forschungsteam aus Kopenhagen und den USA ist deshalb der Frage nachgegangen, ob die Einführung von mehr Lohntransparenz den Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern tatsächlich reduziert.

Der nationale Frauenstreiktag hat das Thema «gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit» wieder aufs Tapet gebracht: Ein von vielen Seiten propagiertes Mittel, um die Lohngleichheit zwischen den Geschlechtern zu fördern, ist die Lohntransparenz. In Dänemark existiert ein solches Gesetz schon seit 2006. Auch in der Schweiz hat sich diesbezüglich einiges getan. So müssen Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitenden mittlerweile alle vier Jahre eine Lohngleichheitsanalyse durchführen und das Resultat ihren Mitarbeitenden bekannt geben. Während kleinere Unternehmen in der Schweiz von dieser Lohnoffenlegung ausgenommen sind, müssen Unternehmen in Dänemark ihren Mitarbeitenden bereits ab 35 Beschäftigten nach Geschlecht aufgeteilte Lohndaten in anonymisierter Form zur Verfügung stellen und sie über allfällige Lohnungleichheit informieren.

Doch inwiefern nützt diese Transparenz? Ein internationales Forschungsteam aus Dänemark (Universität Kopenhagen) und den USA (unter anderem der Cornel Universität, der Columbia Universität sowie der Universität North Carolina) haben mit Längsschnittdaten aus den Jahren 2003 bis 2008 einen kausalen Zusammenhang zwischen Lohntransparenz und Lohndiskriminierung untersucht. Insgesamt sind Daten von knapp 4000 Unternehmen mit rund 66 000 Mitarbeitenden vor und nach der Einführung des neuen Gesetzes untersucht worden. Dabei wurde die Entwicklung der geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede zwischen Firmen verglichen, die dem neuen Gesetz unterstehen (mit 35 bis 50 Mitarbeitenden), und Unternehmen, die das Lohntransparenzgesetz nicht zwingend befolgen müssen (mit 20 bis 34 Mitarbeitenden).

Die Resultate zeigen, dass die Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern nach der Einführung des Gesetzes um 7 Prozent zurückgegangen ist. Im Vergleich zu Unternehmen, die nicht vom Lohntransparenzgesetz betroffen waren, konnten Betriebe mit den neuen Transparenzvorschriften ihre Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern um 1,4 Prozent stärker reduzieren. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Löhne männlicher Mitarbeitender unter dem neuen Gesetz weniger stark angestiegen waren als jene in Unternehmen, die dem neuen Transparenzgesetz nicht unterstellt waren.

Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass sich die Einführung von mehr Lohntransparenz lohnt, um der Lohndiskriminierung entgegenzuwirken. Werden Frauen für gleichwertige Arbeit gleich entlohnt, profitieren nicht nur die weiblichen Mitarbeitenden, sondern auch die Unternehmen. Denn wer fair entlohnt, ist als Arbeitgebender attraktiver und verschafft sich damit den Vorteil, Fach- und Führungskräfte leichter zu finden und zu halten.

Quelle:

Bennedsen, Morten; Simintzi, Elena; Tsoutsoura, Margarita & Wolfenzon, Daniel (2019). Do Firms Respond to Gender Pay Gap Transparency? NBER Working Paper No. 25435. Doi: 10.3386/w25435

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Alexandra Arnold

Alexandra Arnold ist wissenschaftliche Oberassistentin und Dozentin am Zentrum für Human Resource Management der Universität Luzern.

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