Micropausen

Sommerserie: So bleiben Sie fit am Arbeitsplatz

Viele Menschen haben zu wenig Bewegung im Berufsalltag. Diese wäre aber nötig, um einseitige Arbeitshaltungen auszugleichen. Ole Petersen, Bewegungsprofi und Experte für betriebliches Gesundheitsmanagement, erklärt, wie man mit Micropausen nicht nur körperlichen Beschwerden vorbeugt, sondern auch Psychohygiene betreibt. Als Sommerserie stellt er in den kommenden Wochen Micropausenübungen vor.   

Herr Petersen, was braucht es, um bei der Arbeit gesund zu bleiben?
Ole Petersen: Der Schlüssel ist Bewegung. Leider wird dieses Thema oft in die «Sport- und Fitnessschublade» geschoben, doch das ist falsch.

Warum?
Bewegung braucht es nicht nur, um den Körper fit zu halten, sondern auch für die Psychohygiene. Stresshormone zum Beispiel lassen sich nur über Bewegung abbauen. Wer sich bewegt, schafft es besser, in hektischen Arbeitsphasen wieder herunterzukommen, kann besser den Kopf auslüften, um wieder auf neue Ideen zu kommen. Dieser Effekt der Bewegung ist sehr wichtig, wird aber massiv unterschätzt.
 

Zur Person

Ole Petersen, dipl. Betriebswirt, ist Geschäftsführer der Firma fit im job, die sich auf betriebliches Gesundheitsmanagement spezialisiert hat. Seine Schwerpunkte als Seminarleiter sind Motivation, Zielsetzung und Work-Life-Balance. Ole Petersen ist Autor mehrerer Bücher, darunter «Gesundheit ist Chefsache», «Fit & top im Job», «Marathon und Ironman», «So einfach ist Fitness».

www.fitimjob.ch

Wir sind eine Wissensgesellschaft, viele arbeiten in Büros. Wie kommt man zu mehr Bewegung während der Arbeitszeit?
Man kann sich recken, steht auf und geht zur Kaffeemaschine oder zu einem Kollegen in einem anderen Büro. Viele Firmen haben den lokalen Drucker abgeschafft, damit die Menschen hin und wieder zu einem kurzen Spaziergang zum zentralen Drucker kommen.

Sie propagieren die sogenannte Micropause. Was ist das genau?
Eine Pause, in der man eine kurze Übung durchführt, für die man sich nicht vom Arbeitsplatz entfernen muss, also direkt beim PC. Eine solche Übung dauert 20 bis 40 Sekunden. Damit das Konzept der Micropausen seine volle Wirkung entfalten kann, braucht es sechs bis zehn solcher Pausen beziehungsweise Übungen pro Tag.

 

Beispiel einer Micropause

«Äpfel pflücken» – Micropause für die Schultern und den oberen Rücken

Kräftigung der Schultermuskulatur, Dehnung des Brustkorbs:

  • beide Arme und den Blick nach oben heben
  • die Hände abwechselnd zur Decke strecken, den Arm dabei jeweils ganz nach oben recken, wie zu einem zu hoch hängenden Apfel, dabei einatmen
  • drei Sekunden halten
  • dann loslassen, ausatmen und Seite wechseln
  • fünf «Äpfel pflücken» pro Seite.

(Quelle: fit im job)

 

Das ist aber kein Ersatz für «richtigen» Sport?
Nein. Micropausen ersetzen kein Herzkreislauftraining, wie zum Beispiel das Joggen. Sie sind vielmehr dafür da, den gesamten Bewegungsapparat zu entlasten, die einseitige Haltung, die wir bei der Arbeit einnehmen, auszugleichen. Dadurch beugen sie gesundheitlichen Problemen vor, zum Beispiel dem Mausarm.

Welches sind weitere Vorteile der Micropause?
Sie bewirken einen Rückgang von Rücken- und Nackenverspannungen, von Augenschmerzen und Müdigkeit. Sie führen zu besserer Konzentration und Leistung sowie zu mehr Wohlbefinden.

Nach wie vor gibt es Firmen, wo man komisch angeschaut wird, wenn man Körperübungen macht.
Das sind ja keine Turnübungen... Von unseren Kunden bekommen wir diesbezüglich kaum Rückmeldungen. Aber natürlich ist es sinnvoll, wenn in einem Grossraumbüro mehrere Personen mitziehen. Dann wird es mit der Zeit für alle eine Selbstverständlichkeit. Es gibt ja auch Firmen, die ihre Leute entsprechend ausbilden lassen. Wir haben zum Beispiel die Teamleiter der Phonak geschult, damit sie ihre Teams regelmässig zu Bewegungspausen anleiten können.

In den folgenden Wochen werden wir Ihnen regelmässig Micropausenübungen vorstellen.

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Franziska Meier ist Redaktorin und Produzentin mit langjähriger Erfahrung im Zeitungs- und Zeitschriftenbereich. Als Chefredaktorin des Magazins «fit im job» sowie als Fachredaktorin der Zeitschrift «HR Today» hat sie sich auf das Thema «Mensch, Arbeit & Gesundheit» spezialisiert. Zu ihren journalistischen Schwerpunkten gehören insbesondere Persönlichkeitsentwicklung, Coaching, Stressprävention und betriebliches Gesundheitsmanagement. Achtsamkeit praktiziert sie manchmal im Schneidersitz, öfter jedoch auf ihren Spaziergängen rund um den Türlersee.

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