HR Today Nr. 9/2020: Women Back to Business – Karin Manser

Tun, was glücklich macht

Sie ist ETH-Ingenieurin, besitzt ein umfassendes Wissen in der Unternehmensführung und Strategieentwicklung und ist Mutter von fünf Kindern im Alter zwischen 8 und 18 Jahren: Karin Manser über Arbeit und Familie, gesellschaftliche Vorurteile und ihren geglückten Wiedereinstieg in den Beruf.

«Wenn eine Mutter 100 Prozent arbeitet, ist sie eine Rabenmutter. Bleibt sie 100 Prozent zu Hause, ein Heimchen am Herd.» Gesellschaftliche Vorurteile, die Karin Manser bis heute ärgern. Vor allem, weil die fünffache Familienfrau während ihrer beruflichen Auszeit des Öfteren damit konfrontiert wurde. «Jede Frau muss doch selber entscheiden, was sie erfüllt und glücklich macht.» Einen Rat, den sie auch ihren vier Töchtern nebst jenem, eine gute Ausbildung zu absolvieren, mit auf den Weg gibt. «Damit stehen einem alle Lebensmodelle offen.»

Dass sich Karin Manser nach ihrer Tätigkeit als Geoinformationsingenieurin und Projektleiterin bei der Credit Suisse nach der Geburt ihrer Kinder aus dem Berufsleben zurückzieht, geschieht nicht ganz freiwillig. «Nach der Geburt unseres ersten Kindes 2002 wollte ich in einem 40-Prozent-Pensum bei der Credit Suisse wieder einsteigen.» Noch während ihres Schwangerschaftsurlaubs vollzieht die Grossbank einen Strategiewechsel und streicht alle Teilzeitstellen unter 80 Prozent in ihrer Business Unit. «Ich hatte die Wahl zwischen meiner alten Stelle mit einem 80-Prozent-Pensum oder zu kündigen. Da mein Mann beruflich schon damals viel im Ausland weilte, entschied ich mich gegen die Anstellung und für die Familie.»

Die Zukunft planen

Zwischen 2002 und 2016 ist Manser Vollzeit-Mama, leitet den Hausbau, engagiert sich als Elternratspräsidentin sowie als Schulpflegerin und bekommt fünf Kinder. 2016 kann sie in einem Niedrigpensum an der HSO Rapperswil BWL, Mathe, Projektmanagement und Unternehmensführung unterrichten. Die Sehnsucht nach ihrer alten Tätigkeit im Projektmanagement erwacht. Mit 44 Jahren läuft ihr die Zeit für einen Wiedereinstieg davon: «Es wäre irgendwann für einen beruflichen Einstieg zu spät gewesen.»

Im Internet stösst Karin Manser auf das Wiedereingliederungsprogramm «Women Back to Business» und meldet sich an. Der Inhalt reizt Manser: Vom Know-how-Transfer und den neusten Führungsmitteln über Skills-Workshops und persönliche Coachings bis hin zu einem Praktikum. Letzteres erweist sich als Glücksfall: So lernt sie mit der Implement AG ihren künftigen Arbeitgeber kennen, bei dem sie heute in einem 50-Prozent-Pensum als Senior Consultant angestellt ist. Ihre Aufgaben? Strategieentwicklung, Unternehmenskäufe und -verkäufe in den Branchen Energie, IT, Bau, Handel und Industrie.

Fit für die Privatwirtschaft

Ihre grösste Erkenntnis? «Dass ich trotz einer längeren Auszeit fit für die Unternehmenswelt geblieben bin.» Dass ihr das gelungen sei, liege wohl auch daran, dass sich eine Grossfamilie wie ein kleines Unternehmen managen lasse: «Man muss finanzielle Entscheidungen fällen, die Aktivitäten der Familie organisieren, Verantwortung delegieren, priorisieren, verschiedene Ansprüche koordinieren und ein offenes Ohr für alle haben. Allesamt Fähigkeiten und Kompetenzen, die ich heute im Berufsleben brauchen kann.»

Zur Person

Karin Manser hat einen Abschluss als Dipl. Kultur-Ingenieurin der ETH Zürich. Von 1999 bis 2000 arbeitete sie als Ingenieurin bei Hofmann, Stegemann & Partner in Andelfingen und 2000 bis 2002 als Consultant und Projektleiterin bei der Credit Suisse in Zürich. Zwischen 2002 bis 2016 widmete sie sich ihrer Familie und engagierte sich als Schulpflegerin an der Schule Hombrechtikon. 2016 bis im April 2020 kehrte sie mit einem Niedrigpensum als Dozentin an der HSO Wirtschaftsschule Schweiz ins Berufsleben zurück. Seit 2018 arbeitet sie zudem als Senior Consultant bei der Implement AG in ­Pfäffikon.

 

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Christine Bachmann

Christine Bachmann ist stv. Chefredaktorin bei HR Today.

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